Ätzen, löten und programmieren – so fing alles an…

Hier finden Sie ein Interview unseres IT-Professionals Sabine Heimsath, welches in ähnlicher Form in der Print-Ausgabe der DOAG News im Oktober 2013 erscheinen wird.

Welchen Beruf üben Sie aus?

Ich bin seit 10 Jahren selbstständig und berate Unternehmen rund um die Datenbank. Mein liebstes Steckenpferd ist dabei die Apex-Entwicklung.

Auf welchem Weg sind Sie dort hingekommen?

Eigentlich nicht geplant, sondern indem ich immer meinen Neigungen gefolgt bin. Ich wusste, dass mich die Arbeit mit Computern reizt und mir mathematische Problem­stellungen und Logik Spaß machen. Daher lag das Fach Informatik nahe, ich wollte es aber mit einem zusätzlichen Fach kombinieren.

Da es mich nach dem Abitur in die Ferne zog, habe ich mich in Großbritannien für verschiedene Studiengänge beworben. Unter anderem auch für „Informatik und Astronomie“. Am Ende hatte die Universität Warwick das beste Angebot und ich entschied mich, dort mein Studium zu beginnen.

Nach dem Diplom habe ich dreieinhalb Jahre bei Oracle Consulting und ein Jahr in der Produktentwicklung bei der Diamos AG gearbeitet. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mich innerhalb eines Verbundes selbständig zu machen.

Dies war keine leichte Entscheidung. Einerseits hatte ich etwas Angst, aber andererseits fand ich es unheimlich reizvoll, Anteilseigner eines Unternehmens zu werden und die Selbständigkeit auszuprobieren. Die Aussicht, zwar selbstständig, aber nicht völlig auf mich allein gestellt zu sein, gab schließlich den Ausschlag its-people-Gesellschafterin zu werden.

Und das bereue ich bis heute nicht – ich mache genau den Job, den ich will!

Was hat Sie motiviert, diesen Beruf zu ergreifen?

Daran haben sicher meine Eltern einen großen Anteil. Sie haben mir nie eingeredet, dass etwas Technisches nichts für Mädchen sei. Während der Schulzeit habe ich mit meinem Vater zusammen DOS-Kurse besucht und ich durfte ätzen, löten und programmieren – damals noch in Basic. Als dann unsere Schulklasse durch die Berufsberatung vom Arbeitsamt geschleust wurde, wusste ich zum Glück schon, was ich (nicht) wollte.

Wie sehen Sie generell die Rolle der Frau in der IT?

Das ist schwer zu sagen, wenn man Generalisierungen vermeiden will. Angenommen, die weiblichen und männlichen Gehirne sind unterschiedlich verdrahtet – und darauf weist ja einiges hin –, dann sollte man bei der Zusammen­stellung eines Teams kein Potenzial verschenken und für eine gute Mischung sorgen. Aber dabei möchte ich nicht die „Quotenfrau“ aus Prinzip sein, sondern die technischen und persönlichen Voraussetzungen müssen natürlich ebenfalls passen.

Bietet die IT-Branche für Frauen die Möglichkeit, ihre Stärken einzusetzen?

Da es in diesem Bereich nicht auf Muskelkraft ankommt, würde ich diese Frage ganz klar mit ‚ja‘ beantworten. Jede Frau kann in der IT mit ihren speziellen Stärken ihren Platz finden. Die Bandbreite ist riesig, und das macht die IT ja gerade so interessant!

Was könnte Frauen motivieren, einen Beruf in der IT zu ergreifen?

Wichtig ist, dass Mädchen nicht so früh im Denken eingeschränkt werden, so dass Alternativen im IT-Bereich überhaupt wahrgenommen werden können. Nur dann hat man die Möglichkeit, ihnen im entsprechenden Alter unterschiedliche Aspekte der IT-Berufe nahezubringen. Zum Beispiel die Chance, durch den geschickten Einsatz der IT, Menschen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Welche Eigenschaften sollte eine Frau  mitbringen, um sich in der IT-Branche durchzusetzen?

Ein gewisser Humor hilft auf jeden Fall! Ich habe als (fast) einzige Frau in den naturwissenschaftlichen Kursen zwar durchaus doofe Sprüche bekommen, aber auch gerne gekontert. Abgesehen davon, dass man eine Strategie haben sollte, wie man das Geschlechterthema handhabt, sollte man Spaß an Teamarbeit und an kniffeligen Aufgaben­stellungen haben.

Was kann eine Anwendervereinigung wie z.B. die DOAG (Deutsche Oracle Anwender Gruppe) tun, damit mehr Frauen in die IT kommen?

Ich sehe das als einen sehr langfristigen Prozess. Die Weichenstellung liegt dabei sicherlich in der Kindheit/Schulzeit. Kindern muss vermittelt werden, dass ihnen jeder Bereich offen steht. Das ist jedoch schwierig in Zeiten, in denen es die Industrie darauf anzulegen scheint, aus jedem Mädchen eine Barbie oder eine Prinzessin zu machen.

Die DOAG könnte Antworten finden zu verschiedenen Fragen: Wie bringt man die komplexen Berufsbilder der IT jemandem ohne Vorkenntnisse nahe? Kann man das an einem „Girls‘ Day“ im Jahr schaffen? Oder braucht es andere Konzepte?

Was erwarten Sie z.B. von großen IT-Unternehmen?

Generell sollten alle Angestellten – unabhängig vom Geschlecht – die Flexibilität bekommen, die sie für ihre Familie brauchen. Präsenz ist zwar wichtig, aber es ist bei den meisten Jobs nicht notwendig, 100% seiner Arbeitszeit im Büro zu verbringen und dies auch noch in einem starren Zeitfenster.

Die Firma Oracle nimmt zum Beispiel bereits am „Girls Day“ teil. Beim vorletzten war ich zufällig anwesend und habe mich sehr gefreut, dass die Mädchen ausgerechnet eine Apex-Anwendung erstellen durften!
Auch hier lautet allerdings die Frage: Reicht es aus, einmal im Jahr aktiv zu werden?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mehr Frauen, die sich trauen, mit its-people (www.its-people.de) den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Ich hätte sehr gerne mehr Kolleginnen!

Sabine Heimsath Senior Professional its-people GmbH

Und – es würde mich freuen, wenn es nicht mehr schick wäre, mit „Mathe konnte ich noch nie“ zu kokettieren.


Sabine Heimsath hält auf der DOAG Jahreskonferenz in Nürnberg einen Fachvortrag: Auf der Suche nach dem kleinen Unterschied: Versionsvergleich für APEX-Anwendungen (Mittwoch, 20. November 2013, Raum 12, 11.00-11.45 Uhr)


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